Gefährdet oder gefährlich? Zur Versicherheitlichung der inneren Minderheitenpolitik im Deutschland der Zwischenkriegszeit
Im Fokus des Projekts stand die strukturgeschichtliche Untersuchung der deutschen Sorbenpolitik im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die rechtliche Situation der Sorben blieb auch nach der Aufnahme eines Minderheitenschutzartikels in die deutsche Verfassung von 1919 prekär. Die sorbische Bewegung nahm den Status als „nationale Minderheit“ dennoch selbstbewusst für sich in Anspruch, agierte entsprechend auf dem politischen Feld und suchte sowohl national als auch international nach Unterstützern ihrer Forderungen. Aus diesem Spannungsverhältnis zwischen dem Anspruch der Sorben auf Anerkennung und Schutz als Minderheit und dessen Abweisung durch den Staat ergab sich die politische Bedeutung der Sorbenfrage.
Wie die Forschungen im Rahmen des Projekts gezeigt haben, war diese Thematik spätestens mit der Revolution von 1848/49 virulent. Am Beispiel der Sorben lässt sich der Prozess der Versicherheitlichung der inneren Minderheitenpolitik in Deutschland somit über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten.
Projektbeteiligte: Friedrich Pollack