Bautzen/Budyšin - 14.03.2025

Drei neue Beiträge im Lětopis veröffentlicht. Neue Erkenntnisse zum Entstehen von Mukas „Statistik der Lausitzer Sorben“

Lětopis – Zeitschrift für Sorabistik und vergleichende Minderheitenforschung

Das Sorbische Institut hat drei neue Beiträge in seiner sorabistischen Online-Zeitschrift Lětopis veröffentlicht (Jahrgang 72/2025):

  • Lubina Mahling: Mukas Fragebogen. Zur Genese der „Statistika łužiskich Serbow“ (22 S.)
  • Robert Lorenz: Ort –Grenze –Netzwerk. Zu einigen Implikationen der Digitalisierung im sorbischen musealen Feld (19 S.)
  • Ines Keller: Tagungsbericht: Konferenz „Kulturelle Diversität in der Forschungs- und Beratungspraxis zu immateriellen Kulturerbeformen“. Sorbisches Institut, Cottbus/Chóśebuz, 24.–26. Oktober 2024 (3 str.)

Die Historikerin Dr. Lubina Mahling beschäftigt sich mit dem Entstehen des Buches „Statistika Łužiskich Serbow“ [= Statistik der Lausitzer Sorben] von Arnošt Muka, herausgegeben zwischen 1884 und 1886. Das Werk zählt bis heute zu den Standardwerken der Sorabistik. Schon lange wurde davon ausgegangen, dass Muka den Pfarrern und Lehrern in den einzelnen Gemeinden einen Fragebogen zusandte, damit sie ihn ausfüllen und ihm so zuarbeiten. Doch der Fragebogen, die Grundlage für Mukas Statistik, war bislang unbekannt.

Zufällig fand die Autorin im Archiv der Kirchgemeinde Baruth nun den entsprechenden, lange gesuchten Fragebogen. Den hat allerdings nicht Muka selbst versandt, sondern der führende evangelische Pfarrer Jaroměr Hendrich Imiš (1819–1897). Außerdem entdeckte Lubina Mahling auch zwei Antwortschreiben des Baruther Pfarrers Karl Herman Robert Rjeda (1816–1900). Die darin angegebenen Zahlen der Sorben weichen jedoch teilweise erheblich von Mukas Angaben ab. Daher sind weiterführende vergleichende Forschungen notwendig, vor allem mit Blick auf Mukas Zahlenwerk in seiner Statistik. Die Baruther Fundstücke zeigen aber auch, dass Mukas Statistik nicht die Arbeit eines Einzelnen ist, sondern das gemeinsame Werk einer größeren Gruppe engagierter Sorben. https://doi.org/10.59195/lp.2025.72-22 (mit Fotos der Schriftstücke)

Der Ethnologe Dr. Robert Lorenz beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Digitalisierung, die als praktische Arbeitsaufgabe wie als theoretisches Forschungsfeld in der Sorabistik zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das gilt auch für das Feld der Museologie. Im Aufsatz untersucht der Autor am Beispiel von drei historischen Wegmarken (1. „Ausstellung des Sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes“ 1896 in Dresden, mit großem sorbischen Anteil, den Arnošt Muka maßgeblich mit verantwortete, 2. Privatmuseum von Pawoł Krawc und 3. kulturhistorische Publikation „Sorbische Volkskunst“ (1968) von Pawoł Nedo), welchen Stand die Beschäftigung mit den sachkulturellen sorbischen/wendischen musealen Sammlungen die sorabistische Museologie erreicht hat, wo Desiderate bestehen und welche Potenziale wie auch Risiken die Digitalisierung in diesem Bereich in Zukunft bereithält. Es zeichnet sich dabei ein dialektisches Feld ab, das einerseits durch gewachsene Souveränität bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen sachkulturellen Erbe gekennzeichnet ist, in welchem aber andererseits eingeübte Mechanismen der Minderheitenerfahrung herausgefordert und in Frage gestellt werden. Der Aufsatz plädiert im Fazit dafür, bei der Bearbeitung dieses Spannungsfeldes sorabistischer Digitalisierung alle relevanten Akteursgruppen partizipativ einzubeziehen und sie als Chance zu begreifen. https://doi.org/10.59195/lp.2025.72-46

Im dritten veröffentlichten Beitrag berichtet Kulturwissenschaftlerin Dr. Ines Keller über die Konferenz „Kulturelle Diversität in der Forschungs- und Beratungspraxis zu immateriellen Kulturerbeformen“, die das Sorbische Institut vom 24.bis 26. Oktober 2024 im Stadthaus in Cottbus/Chóśebuz durchführte. https://doi.org/10.59195/lp.2025.72-34

Über die Zeitschrift:

Das interdisziplinäre Periodikum der sorabistischen und geisteswissenschaftlichen Forschung Lětopis mit dem Untertitel „Zeitschrift für Sorabistik und vergleichende Minderheitenforschung“ erscheint seit 2023 als frei zugängliche Online-Zeitschrift. Die Beiträge werden einzeln online veröffentlicht (open access). Bis auf weiteres wird noch jährlich ein Sammelband in gedruckter Form zusammengestellt. Die Publikationssprachen sind Deutsch, Englisch und slawische Sprachen, insbesondere Ober- und Niedersorbisch, Polnisch, Tschechisch und Russisch. Um Sorbisch als Wissenschaftssprache zu fördern, erscheinen im Lětopis auch nieder- und obersorbische Übersetzungen. http://www.lětopis.de